Archiv für Juni 2014

Studie ergibt: Männer sind vermutlich alle böse!

Die ZEIT ist sich nicht zu schade, Bullshit im Quadrat zu veröffentlichen. Siehe dieses Interview. Auf den ersten Blick geht es um sexuelle Gewalt an Unis, und dass diese ja auch in Deutschland ein riesiges Problem darstellen würde. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man die eigentliche Intention, der die Studie folgt – und das Interview natürlich auch.

Mit dieser ausufernden Definition von sexueller Gewalt/Belästigung lässt sich am Ende gar nichts mehr belegen, außer, dass in einer Gesellschaft, die aus Menschen besteht, die teilweise sexuell aufeinander reagieren, auch die Kommunikation sexuelle Inhalte haben kann. Das ist aber keine wissenschaftliche Erkenntnis, das ist als Wissenschaft getarntes Geschwätz. Das ist ein Problem der Wissenschaft.

Da hört es aber nicht auf. Denn dadurch wird auch ein gesellschaftliches Problem erzeugt, die wirklichen Opfer werden damit verhöhnt. Zum einen dadurch, dass sie in einem riesigen Meer von „irgendwie betroffenen“ verschwinden und Hilfe sie so schwerer erreicht – zum anderen dadurch, weil die „Opfer“ bei derartigen Definitionen irgendwann nicht mehr ernst genommen werden – was dann auch auf die tatsächlichen Opfer abstrahlt.

Es geht hier nicht darum, auf Opfer aufmerksam zu machen oder denen gar zu helfen. Die einzige Message des Interviews ist: Männer sind böse. Nein, halt: ALLE Männer sind böse. Das wird extra nochmal betont: “ Männer an der Uni sind so, wie sie vermutlich überall sind.“ – So? Wie sind sie denn vermutlich überall? Und wer ist es, der da vermutet? Und was hat das mit Wissenschaft zu tun?

Diese Message zu vermitteln ist viel wichtiger als die Wissenschaft. Stünde die Wissenschaft im Vordergrund, dann müsste eine Gegenprobe gemacht werden: Wie viele Männer sind denn davon betroffen?

Bezeichnenderweise passiert das nicht. Es muss sein, was sein soll, es kann nicht sein, was nicht sein darf.

 

EDIT: Meine gute Freundin lady ironfist wies mich gerade noch darauf hin:

Frauen gehen im Winter nicht in Abendvorlesungen, weil sie Angst vor Übergriffen haben. Dann kommt aber „Die Daten legen aber nahe, dass an diesen Orten gar keine überdurchschnittlich große Gefahr lauert.“ Ok, das wäre doch mal eine echte Entwarnung, oder etwa nicht? Aber halt „Auch wenn ich natürlich trotzdem keiner Frau raten würde, nachts allein durch Parks zu spazieren“ Aha, also sind Frauen, obwohl die Datenlage es anders nahelegt, also einfach IMMER in Gefahr vor irgendwem – also wahrscheinlich dem Mann, denn alle die in solchen Zusammenhängen nicht explizit als Opfer genannt werden, müssen ja Täter sein.

Ein Kommentar

Das Primark-Patriarchat

Dieser Artikel erschien eben auf Zeit Online. Es geht um die schlimmen Zustände bei Primark, sowohl in der Produktion als auch in den Läden und überhaupt die mangelhafte Qualität. Wie immer, werden Akteure (in diesem Falle also Kunden und Konsumenten), wenn sie negativ konnotiert sind, nicht gegendert, während natürlich darauf hingewiesen wird, dass die Näherinnen ja zum Großteil ausgebeutete Frauen sind, was aber – nicht nur nach dem Foto zu urteilen – ebenso auf die Konsumenten zutreffen dürfte.

Der Feminismus würde diese Verhältnisse sicherlich auf’s Patriarchat zurückführen, ist das Patriarchat doch grundsätzlich Schuld an allem schlechten in der Welt und besonders dann, wenn Frauen ausgebeutet werden, was ja hier offensichtlich der Fall ist. Nur ist es ja so, dass hier Frauen Frauen ausbeuten: Die Näher in Bangladesch, China, Indien, Pakistan sind größtenteils Frauen; die Kunden sind es ebenso.

Aber ich bin mir sicher, dass unseren Freunden auch hier der richtige Twist einfallen würde. Ich versuche es mal damit: Das Patriarchat zwingt Frauen ja dazu, sich ständig neu für die Männer herauszuputzen, deswegen werden sie auch dazu gezwungen, ständig neue Klamotten zu kaufen. Und würden Frauen nicht 23% weniger Lohn erhalten, dann würden sie auch ganz gewiss nur noch fair trade kaufen. Das Patriarchat zwingt die Frauen dazu, andere Frauen auszubeuten, wofür sie ein schlechts Gewissen haben und dann wieder vom Patriarchat ausgebeutet werden. Schlimm schlimm.

Ich persönlich hatte vor diesem neuen „Skandal“ noch gar nicht von Primark gehört. Wer weiß, vielleicht ist es ja auch nur ein riesiger Marketing-Gag. Zumindest tauchten die Einnähungen bis jetzt nur in Großbritannien auf, was reichlich Zufall ist.

3 Kommentare