Street Harrassment

Gestern machte ich mir mal einen Spaß und postete einen neuen Status auf Facebook:
„Mir wurde heute von einer wildfremden Person ein „Schönen guten Tag“ gewünscht und ich habe es überlebt. Nach Definition von Hollaback bin ich jetzt „survivor“ eines „sexual harrassment“.“
Das ist jetzt der am häufigsten gelikete Status in meiner Timeline…

Aber Spaß beiseite. In meinem Freundeskreis wurde natürlich recht ausgiebig über dieses Video diskutiert. Natürlich wunderten sich Leute, dass das Video zehn Stunden abbilden soll, dabei aber nur zwei Minuten dauert. Und dass man das eigentlich mal im ganzen auswerten müsste und nach Kategorien von Ansprachen bzw. Anmachen unterteilen müsste. Ja, müsste man. Wenn Sorgfalt und Redlichkeit wichtige Werte wären.

Meine weiblichen Freunde hatten am allerwenigsten Verständnis dafür. „Sehr selten“ bis „nie“ würden sie auf der Straße angequatscht werden. Und wenn, dann sind es meistens Leute, die mal nen Euro haben wollen, Leute, die einem irgendein Abo oder eine Mitgliedschaft aufquatschen wollen oder Leute, die eine Wahl gewinnen wollen. Solche Ansprachen sind geschlechtsneutral. Sexual Harrassment ist was anderes.

Der New Zealand Herald hat das ganze jetzt auch mal ausprobiert und ein Video mit einem Model und einer versteckten Rucksackkamera in Auckland, Downtown gedreht. Aber seht selbst:

Tja, was sagt uns das? Ich war selbst vor zwei Jahren in Neuseeland unterwegs, auch in genau den Straßen. Ich wurde da ungefähr genauso oft angequatscht wie die Dame. Von Leuten, die nen Dollar haben wollten, die mir was verkaufen wollten, die mich zu ihren religiösen Zusammenkünften einladen wollten, die den Weg wissen wollten, die wissen wollten, ob ich französisch spreche oder die einfach nur jemanden zum reden wollten. Neuseeland ist allgemein sehr gesprächig.

Jedenfalls schaute ich mir dann das Hollaback-Video nochmal an und stellte fest: Die allermeisten Typen sitzen auf Klappstühlen auf dem Bürgersteig. Wer macht denn sowas? Ich nehme an, das sind genau die gleichen gescheiterten Existenzen, wie sie auch unsere Innenstädte belagern und wahllos jede/n anpöbeln, der in Hörweite an ihnen vorbeigeht. Und da die USA sich ja dazu entschlossen haben, God’s own country zu sein, gibt es dort noch viel mehr solcher armen Schweine als hier.
Das ist in der Tat ein Skandal. Hat aber nichts mit sexueller Belästigung zu tun. Ich nenne das: Victim Blaming.

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  1. #1 von Matze am 5. November 2014 - 17:16

    Dieses verflixte Patriarchat, es macht die Frauen unsichtbar!

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