Worüber definieren sich Männer?

Die FAZ veröffentlichte heute einen Artikel mit dem Titel „Der gestresste Mann„, in dem es um fehlende Aufmerksamkeit für Männer und ihre Probleme, insbesondere in der Arbeitswelt geht. Soweit nicht viel neues und zum größten Teil geht er auch an den eigentlich interessanten Fragen vorbei. Männer empfinden Leistungsdruck anders als Frauen und haben kein Gespür für die eigene Überforderung. Nichts neues.

Einen Aspekt finde ich allerdings höchst spannend:
„Vor allem Männer selbst weichen dem Problem aber aus, solange sie können, hängen noch oft an einem Rollenbild, geprägt von Stärke, Unermüdlichkeit, Erfolg und Versorgerfähigkeit.“

Das wirft doch eine ganz wichtige Frage auf: Worüber definieren wir uns, nicht als Männer generell, sondern als Individuen, und gibt es da Gemeinsamkeiten zwischen Männern? Wir brauchen eine Debatte darüber, worüber wir uns tatsächlich definieren und worüber wir uns definieren wollen.

Mein Eindruck ist: Die Aussage im Artikel geht in die richtige Richtung. Männer definieren sich mehrheitlich als Instrumente: Instrumente, die unermüdlich und stark sein müssen um als Versorger zu funktionieren. Das ist keine Definition, die uns selbst dient, sondern eine, die anderen dienen will.

Das funktioniert vielleicht solange, wie unsere Instrumentatlität wertgeschätzt wird. Das wird sie aber heute immer weniger. Wir brauchen eine andere Selbstdefinition. Mein Eindruck ist, dass diese Tatsache von immer mehr Männern erkannt wird, und dass ihr die allermeisten Männer aber mit Angst begegnen und sie eigentlich gar nicht wahrhaben wollen. Sie laufen davor davon, was wiederum zu psychischer Belastung führt. Darin können wir aber auch eine große Chance sehen!

Ich selbst sehe es für mich auch: Ich definiere mich stark über meinen Erfolg an der Universität. Eine präzise Wortwahl, eine gute Arbeit, gute Noten, in der Diskussion zu glänzen, das ist es, was mir ein Gefühl der Stärke und der Bedeutsamkeit verleiht. Gleichsam empfinde ich ein Gefühl von Wertlosigkeit, wenn ich anerkennen muss, dass ich keinen ausgefeilten Plan für meine berufliche Zukunft habe. Dahinter steht das Dispositiv, mit meiner Leistung für andere sorgen können zu müssen und die Angst, das eben nicht zu können.

Worüber können wir uns alternativ – oder auch ergänzend – definieren? Welche Selbstdefinition kann für Männer – gerade heute – erfüllender sein? Darüber brauchen wir eine Debatte!

Worüber definiert ihr euch, und was für Ideen habt ihr zu dieser Frage? Das würde mich wirklich interessieren!

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  1. #1 von LoMi am 13. November 2014 - 9:26

    Ich weiß gar nicht, ob das Leistungsthema soviel mit Männlichkeit zu tun hat. Es hat doch meist andere Gründe.
    Erstens ist Leistung einfach existenziell, denn von der Leistung hängt die ökonomische Sicherheit ab. Ich muss gut sein, damit ich einen Job bekomme. Habe ich keinen Job, bekomme ich am Ende Hartz IV. Das habe ich hinter mir und es war eine schlechte Zeit, gerade auch finanziell. Da mich also niemand wirklich versorgt, muss ich mich selber versorgen und dafür muss ich arbeiten und dafür wiederum muss ich Leistung zeigen.

    Das hat erst einmal so gar nichts mit Mannsein zu tun.

    Zweitens hat Leistung auch etwas mit einem professionellem Interesse an einem Thema zu tun. Man interessiert sich für einen bestimmten Gegenstand und z.B. für Wissenschaft. Die Begeisterung für Wissenschaft ist zugleich die Bejahung bestimmter Leistungsideale. Das ergibt sich mehr aus dem Thema als aus der Persönlichkeit.

    Drittens kann man sich sowieso nur definieren durch bestimmte Aktivitäten oder Beziehungen. Wir leben als Menschen in einer konkreten Welt. Wir haben eine körperliche Existenz. Was wir sind, drückt sich aus in Handlungen in einem bestimmten Kontext: der Ort, an dem man lebt, wo man mit gewissen anderen zusammenlebt und der bestimmte materielle Handlungsbedingungen und Möglichkeiten aufweist.

    Feministinnen scheinen ja die materielle Natur der menschlichen Existenz abzulehnen. Sie fürchten sich davor, über Äußerlichkeiten etwa des Körpers oder der Kleidung identifiziert zu werden. Aber wie kann sich Identität anders ausdrücken? Sie hat eine körperliche und materielle Form, sonst kann sie nicht von anderen Menschen wahrgenommen werden. Aber weil Feministinnen das ablehnen, verschieben sie Identität ins absolut Abstrakte: Identität ist das Jenseits der Normen und Dinge. Das nicht Festgelegte, das vollkommen Eigene und Freie. Aber solange das keinen materiellen oder irgendwie sinnlich erfahrbaren Ausdruck gewinnt, kann es nur über Negation bestimmt werden, eben über das, was diese Identität nicht sein will. Dann können diese Leute aber nur Identität gewinnen, indem sie fortwährend negieren und kritisieren.

    Viertens habe ich irgendwie kaum eine Ahnung, was Männlichkeit als Identität so genau sein soll. Es gibt sehr unterschiedliche Männer, daher nicht „Männlichkeit“ per se. Auch scheint es mir, als sei ich die meiste Zeit des Tages nicht bewusst Mann oder werde bewusst als Mann angesprochen.

    • #2 von Der nachdenkliche Mann am 13. November 2014 - 10:03

      Also kurz zusammengefasst: Leistung macht einen unabdingbaren Teil der Identifikation eines jeden Menschen aus, unabhängig davon, welches Geschlecht er hat, während sich das Objekt der Leistung individuell unterscheidet? Außerdem manifestiert sich diese Identifikation im äußerlich erfahrbaren.
      Klingt für mich sehr plausibel.

      • #3 von LoMi am 13. November 2014 - 10:26

        Es muss ja nicht Leistung sein, aber in der Wissenschaft z.B. ist es eben Leistung, weil man nach „Wahrheit“ sucht mit Hilfe von bestimmten Methoden, die gewissen Gütekriterien genügen. Das hat aber mit der Wissenschaft als Methode mehr zu tun als mit Männlichkeit.

        Ich kann mich ja durchaus auch über meine Familie und Freunde definieren, dann ist es nicht so leistungsbezogen.

        Aber gut, ich definiere mich mehr über meine Interessen, was thematische Interessen sind. Diese implizieren eben in einem gewissen Maße Leistung.

    • #4 von Adrian am 13. November 2014 - 11:55

      „Das hat erst einmal so gar nichts mit Mannsein zu tun.“

      Erst mal nicht, im Prinzip aber schon, weil Du keine Frau finden wirst, die Dich versorgt, bzw. die in der Kategorie denkt, einen Job zu finden, um später einmal Mann und Kidner versorgen zu können.

      Als heterosexueller Mann musst Du Dich zwangsläufig über Leistung definieren, weil es ohne Leistung für Dich weder Liebe noch Zukunft gibt. Für eine Frau sieht das ganz anders aus.

  2. #5 von LoMi am 13. November 2014 - 9:28

    „Einen Aspekt finde ich allerdings höchst spannend:
    “Vor allem Männer selbst weichen dem Problem aber aus, solange sie können, hängen noch oft an einem Rollenbild, geprägt von Stärke, Unermüdlichkeit, Erfolg und Versorgerfähigkeit.”“

    Das halte ich für feministische Propaganda. Es ist ein typisches Narrativ: Der verunsicherte Mann, der Mann, der an überkommenen Rollenmustern festhält usw.

    Warum soll das aber vor allem bei Männern so sein? Ich schätze, dass sich mindestens genauso viele Frauen an alten Rollenbildern festhalten. Und das viele Frauen vor allem auch an alten Rollenerwartungen an Männer klammern.

    • #6 von Der nachdenkliche Mann am 13. November 2014 - 10:06

      Das finde ich spannend. Es wird immer von alten Rollenbildern gesprochen, aber niemand sagt, wie das neue Rollenbild – oder die neuen Rollenbilder? – aussehen. Was ist denn die Alternative zu den alten? Und ist es nicht normal, dass am alten festgehalten wird, wenn nichts neues, besseres in Sicht ist?
      Oder böte uns das nicht andersherum betrachtet die Gelegenheit, für uns vollkommen neue Rollenbilder zu entwerfen, nach unseren Vorstellungen? Wie könnten die aussehen?

    • #7 von keppla am 13. November 2014 - 13:55

      Imho hat sich das Rollenbild für den Mann nie geändert, es ist und bleibt: „erringe die knappen Resourcen“.

      Was sich geändert hat, ist lediglich, was die wünschenswerten knappen Resourcen sind.

      Die klassiker Auto, Haus und Vollzeitjob sind unwichtiger geworden, weil Autos billiger werden, „Haus“ zu viel Commitment fordert, und Vollzeit nicht (mehr?) bedeutet, dass das Einkommen ok ist.

      Die neue knappe Resource ist „Freizeit“, wohlgemerkt aber nicht eigene: Mann soll gefälligst das Geld mühelos ranschaffen, so dass seine Nützlichkeit auf andere Bereiche verteilt werden kann (der feministische Klassiker „im Haushalt helfen“, etc).

      Das „Neue“ an der „Neuen Rolle“ sind lediglich die höheren Anforderungen: das Einkommen eines Vollzeitjobs ist nun Voraussetung (auch wenn Frauen arbeiten wird nicht die erwartung an sie gestellt, den Mann zu ernähren), aber nichts mehr, was ausreicht.

      Und insofern denke ich, es ist – leider – relativ egal, wie sich ein Mann selber definiert. Die Männer, die sich totarbeiten, leiden imho nicht unter dem Selbstbild, sondern an der nichterfüllung der Forderungen, die nicht verschwinden werden, nur weil sie „sich anders definieren“.

  3. #8 von Oliver K am 13. November 2014 - 10:02

    „Männer definieren sich mehrheitlich als Instrumente: Instrumente, die unermüdlich und stark sein müssen um als Versorger zu funktionieren. Das ist keine Definition, die uns selbst dient, sondern eine, die anderen dienen will.“

    Tut mir leid, dies ist dummes Geschwaetz. Schon „definieren“ ist ein falscher Begriff. Und selbstverstaendlich *bin* ich unermuedlich und stark (u.a.).

    Also muss man LoMi vom Kopf auf die Fuesse stellen: die „feministische“ Propaganda geht nicht gegen „alte Rollenbilder“, sondern sie ist vielleicht eher Teil der allgemeinen Refeudalisierung, wo nur eine kleine Oberschicht noch stark sein darf, der Rest hat schwach zu sein (dies ist u.a. wesentlich sicherer in Bezug auf Aufruhr und Schlimmerem).

    Schon lustig (und interessant, hoch wirksam): Schreit einer „Wissenschaftsglauben“, so wird sofort Wissenschaft ueber Bord geworfen etc. Schreit einer „ueberkommene Rollen“, schon wird Staerke etc. ueber Bord geworfen. Scheint ein auesserst stark ausgepraegtes gesellschaftliches Ueberich zu sein — nur ja mitschwimmen um jeden Preis.

    „Ich selbst sehe es für mich auch: Ich definiere mich stark über meinen Erfolg an der Universität. Eine präzise Wortwahl, eine gute Arbeit, gute Noten, in der Diskussion zu glänzen, das ist es, was mir ein Gefühl der Stärke und der Bedeutsamkeit verleiht.“
    Offensichtlich fehlt hier die Tiefendimension. Der Bezug zur Wahrheit ist es, der den wahren Mann auszeichnet (und dem ordnen sich Sekundaertugenden wie Staerke und Unermuedlichkeit unter). Das meines Erachtens zentrale Ziel des Kapitalismus in seiner Endphase (die Jahrtausende waehren kann) ist die Elimination des Wahrheitsbegriffs, was die Reduktion des Mannes auf Sexualitaet (endlose Werbung fuer den „maennlichen“ Mann, der ja in seiner Bezogenheit auf’s Weibchen in Wirklichkeit genause weibisch ist) und bestimmte Sozialpraktiken (die Jubelfeier des „schwachen Mannes“, die Feier der „Diversitaet“) bedeutet.

    Es geht ueberhaupt nicht darum, „alte Rollenbilder zu ueberkommen“ (ha), sondern sie zu verstaerken und mit Leben zu fuellen. Ohne wahre Maenner keine Zukunft (sondern von nun ab in der Hamsterfalle, ohne Horizont, endlose Wiederholung, ohne Welt, keine Politik, nur noch Behindertenolympiade, zu einer anerkannten Minderheit zu gehoeren, und sich den Arm notfalls dafuer abzuhacken; nur noch Frauenscheisse).

    • #9 von Der nachdenkliche Mann am 13. November 2014 - 16:16

      Ich muss jetzt doch mal nachfragen, ob das satirisch gemeint war.
      Du schreibst, du *seist* unermüdlich. Du hast in deinem Leben also noch nie geschlafen und hattest auch nicht das Bedürfnis dazu. Steile Ansage! Du schreibst, du *seist* stark. Das ist natürlich einerseits Definitionssache und andererseits relativ. Wenn man Starksein als die Fähigkeit begreift, einen Güterzug über den Brenner zu ziehen, bist du ganz schön schwach. Und das sage ich, ohne dich genauer zu kennen.

      Dann schreibst du über den „wahren Mann“ – Gegenfrage erstmal: Was ist dann der „unwahre Mann“ (gibt es sowas überhaupt?), wer hat das Recht, das festzulegen und nach welchen Kriterien erfolgt diese Festlegung? – und definierst ihn über den Bezug zur Wahrheit. Menschen wie Platon, Newton, Einstein usf. wären demnach wahre Männer gewesen. Menschen wie Caesar, Van Gogh oder Peter Fox hingegen wären demnach keine echten Männer, weil für sie der Modus Operandi eben nicht das wahre ist, sondern das (nach ihrer je eigenen Definition) richtige bzw. schöne: die Politik bzw. die Kunst, nicht die Wissenschaft.

      Die Frage, die sich bei den sogenannten alten Rollenbildern in diesem Kontext ja stellt ist: Findest du sie persönlich für dich gut, oder da du ja den Plural benutzt: Welches von ihnen hast du gewählt bzw. möchtest du wählen und aus welchem Grund? Das Problem, was viele – Männer – an díhnen sehen ist ja gerade das, was du als die Zukunft ohne sie beschreibst, nämlich das Hamsterrad.

  4. #10 von m am 13. November 2014 - 10:57

    Gute Frage. Ich definiere mich, wie alle anderen Männer auch über Leistung. Eine Therapeutin sagte einmal zu mir: „Aha, Herr Soundso besteht also ausschliesslich aus Projekten.“ Das blieb sofort hängen.

    Ich habe in letzter Zeit oft darüber nachgedacht, was hier eine Alternative sein könnte, kam aber zu keinem Ergebnis. Sollten wir Männer da wirklich mal kollektiv etwas anderes finden, wird das Frauen und Gesellschaft wohl nicht gefallen.

    • #11 von LoMi am 13. November 2014 - 11:26

      Ich frage mich nur, was gibt es jenseits von „Projekten“? Sicher, eine Fixierung auf den Beruf ist gefährlich. Spätestens mit der Rente ist dann der Lebenssinn dahin. Aber letztlich definiert man sich doch immer durch Aktivitäten, also „Projekten“ im weiteren Sinne.

      Manchmal habe ich das Gefühl, die weibliche Dekonstruktion männlicher Rollenmodelle beruht auf vollkommener Vagheit und der Vermeidung von Konkretisierung: Denn wie soll eine andere Männerrolle genau aussehen?

      Die dekonstruierenden Frauen müssten erst einmal nachweisen, dass sie in der Lage sind, Weiblichkeit greifbar zu definieren, ohne in Projekte abzugleiten: Schuhe kaufen, Kinder erziehen, Wohnung dekorieren und ähnliches.

      • #12 von St. Elmo am 13. November 2014 - 12:44

        Ich glaub das können sie nicht.

        Den im Grunde ist das wenn wir alle Erwartungen von anderen Abstreifen, uns nicht über Beruf, Konsum, Biologie definieren… dann ist diese Definitionsfrage, doch irgendwie schon die Frage nach dem Sinn des (eigenen) Lebens… oder nicht?

        • #13 von LoMi am 13. November 2014 - 13:06

          Ich halte es hier mit Odo Marquard: Es gibt keinen Sinn an sich, jeglicher Sinn findet sich nur im konkreten Tun. Insofern kann man eben Sinn nur beschreiben, wenn man sagt, was man tut bzw. gerne tut. Es wäre also reichlich schwierig, einen Lebenssinn jenseits unseres Lebenskontextes zu definieren.

  5. #14 von Adrian am 13. November 2014 - 11:38

    Ich definiere mich als Mann über gar nichts. Meine Männlichkeit spielt in meinem Leben aber ohenhin keine große Rolle. Höchstens beim Pinkeln oder beim Klamotten kaufen.

    • #15 von LoMi am 13. November 2014 - 11:44

      Geht mir meistens auch so.

    • #16 von Adrian am 13. November 2014 - 11:48

      @ LoMi
      „Geht mir meistens auch so.“

      Gut so. Nachdenken über Männlichkeit ist sowieso kaum zielführend. Es bedeutet sich in einen Kreis aus Rollenerwartungen, gesellschaftlichen Anforderungen und Genderkonstrukten zu verfangen. Es ist Euer Leben. Lebt es!

      • #17 von LoMi am 13. November 2014 - 11:57

        Es ist einfach meistens inhaltsleer. Wenn ich mit meiner Freundin zusammen bin, dann spielt meine Männlichkeit eine Rolle. Die meiste Zeit im Alltag ist „Männlichkeit“ irgendwie kein echter Begriff, der auch nur irgendwas erklärt. Da bin ich dann eher Arbeitnehmer, Vater, Freund und sonstwas udn wenig, was ich da tue, lässt sich als speziell männlich erklären. Noch viel weniger kann ich aus einer Vorstellung von Männlichkeit mein Handeln ableiten.

        • #18 von Adrian am 13. November 2014 - 12:04

          „Es ist einfach meistens inhaltsleer.“

          Natürlich ist es das. „Männlichkeit“ ist ein gesellschaftliches Konstrukt, es ist Gender, abhängig von subjektiven Geschmäckern und gesellschaftlichen Parametern.

          Es lohnt sich nicht, darüber zu diskutieren, weil es nichts bringt.

          • #19 von LoMi am 13. November 2014 - 13:12

            Gender hin oder her: Wenn ich ein Bild aufhänge oder ein Computerproblem löse, liefert die Bedienungsanleitung das Handlungsrezept und nicht das Konzept „MÄnnlichkeit“. Das ist an dieser Stelle mein Punkt.

            Aber klar, Männlichkeit ist halt auch Geschmacksfrage. Schön daher: Für eher professionelle Fragen spielen diese Geschmacksfragen keine Rolle.

            Wenn ich meinem Kind den Arm um die Schulter lege, um ein bisschen GEborgenheit zu vermitteln, ist Männlichkeit auch eher untergeordnet.

    • #20 von Der nachdenkliche Mann am 13. November 2014 - 16:01

      Du sagst, Männlichkeit spielt für deine Selbstdefinition kaum eine Rolle. Das ist ok, danach habe ich ja genau genommen auch gar nicht gefragt.
      Darüber definierst du dich also nicht. Worüber definierst du dich?

      • #21 von Adrian am 13. November 2014 - 16:09

        @ Nachdenklicher Mann
        „Worüber definierst du dich?“

        Klingt banal, aber: Über mich. Und ein wenig über mein Schwulsein.

        • #22 von Der nachdenkliche Mann am 13. November 2014 - 16:18

          Das Schwulsein impliziert ja das Mannsein, was ein bisschen deinen vorherigen Ausführungen widerspricht. Ansonsten stellt sich natürlich die Frage: Was ist das, „mich“? Was macht das „mich“ aus? Weltanschauungen, Werte, Ziele usw.?

          • #23 von Adrian am 13. November 2014 - 16:25

            „Das Schwulsein impliziert ja das Mannsein“

            Faktisch ja, für mich persönlich aber eher nicht. Ich assoziiere Mannsein spontan mit Heterosexualität. Deshalb sprechen mich Aufrufe an die Männlichkeit auch meistens nicht an.

            „Was macht das “mich” aus? Weltanschauungen, Werte, Ziele usw.?““

            Ich bin ein atheistischer Liberaler. Individuelle Freiheit ist mein Wert. Aber darüber definiere ich mich eigentlich nicht.

          • #24 von LoMi am 14. November 2014 - 9:23

            Doch, Werte und Interessen definieren mich. Es definiert mich alles, was ich mir als untrennbar mit meiner Person verbunden vorstelle. Mannsein ist da nur ein Aspekt. Alles, was mich interessiert, was also nicht nur kognitiv, sondern auch motivational für mich zum Thema wird, macht mich auch aus. Das meiste hat nichts mit Geschlecht zu tun.

          • #25 von LoMi am 14. November 2014 - 9:25

            Die Frage ist ja, in welchen Momenten ist Adrian „schwul“? Wenn er mal nen tollen Typen auf der Straße sieht, mit einem flirtet oder mit einem zusammen ist. In den meisten Momenten macht er irgendwelche Dinge, die Schwule oder Heterosexuelle vermutlich in gleicher Weise tun. Beim Brötchenkauf ist man halt jemand, der Brötchen kauft und nichts weiter.

  6. #26 von basti am 13. November 2014 - 11:41

    „Worüber definiert ihr euch, und was für Ideen habt ihr zu dieser Frage? Das würde mich wirklich interessieren!“

    Zuerstmal hab ich neulich einen Kriegsdienstverweigerungsantrag geschrieben. Obwohl oder vielleicht weil ich Wehrdienst geleistet habe.

    Keine Lust für die Eliten zu sterben. Soll v.d.L selbst ihre Kinder für opfern oder am Besten sich selbst.

    Ganz wichtig!!!!

    Männer sind keine Verfügungsmasse, vor allem nicht als Kanonenfutter und Schlächter, um sich hinterher irgend ne Scheisse anhören zumüssen wie böse wir doch sind.

    Die Wehrpflicht ist nur ausgesetzt und unsere Eliten sind drauf und dran durch EU, Nato und Israel den dritten Weltkrieg anzuzettelt, weil Putin ist Hitler und Stalin in einer Person und Iran baut Atomwaffen….

    Ja ne ist klar.

    Die Lügen wenn sie das Maul aufmachen.

    Verweigert den Kriegsdienst!!

    Liebe Grüsse.

  7. #27 von St. Elmo am 13. November 2014 - 12:38

    Vor kurzem habe ich eine Talkshow im TV gesehen, es ging um den erweiterten Selbstmord eines Mannes der dabei auch sein Kind getötet hat.
    Vorausgegangen war der Jobverlust und das Verlassen werden durch die Frau nach 12 Jahren Ehe.
    Selbige hat ihm in dieser Talkshow „mangelndes Selbstbewusstsein“ und „Mord des Kindes aus Rache an Ihr“ vorgeworfen.

    Aber wenn dieser Mann sich genauso wie anscheinend der Großteil der Männer über „Erfolg im Job“ und „Versorgen der Familie“ definiert hat, ist es meiner Meinung nach kein Wunder das es zu dieser Handlung kam und immer wieder kommt.
    Da alles was Mann als Person definiert hat, Ihm Selbstbestätigung gegeben hat auf einen Schlag weggebrochen ist und er plötzlich Hilflos vor einem bodenlosen Abgrund stand.

    Von daher wäre es wirklich sinnvoll wenn Männer eine Definition für sich selbst finden, was Ihr Leben ausmacht, ohne auf nicht mehr geschätzte Werte wie „Erfolg“, „Versorgen der Familie“, „Gebraucht werden“ zurück zu greifen.

    Mein Problem ist allerdings das mir leider konkret nichts einfällt.
    Da selbst bei einer Definition abseits von Job und Familie z.B. Dinge wie Freundeskreis, Soziales Engagement und Hobbys sehr schnell wieder die alten Werte/Ziele „Erfolg“ und „Gebraucht werden“ in den Vordergrund rücken.

    Wichtig ist wohl etwas nur für sich selbst zu finden das einem Spaß macht und Selbstbestätigung gibt, egal ob man darin Gut ist oder nicht.

  8. #28 von emannzer am 13. November 2014 - 20:03

    Ich denke nicht, dass sich Männer über Leistung definieren. Es mag da Ausnahmen geben aber das ist bestimmt nicht die Regel. Und ich denke, wie schon geschrieben, dass es feministischer Unfug ist, so etwas zu behaupten (ähnlich, wie Gläserne Decken u.ä.). Witzigerweise von Leuten erklärt, die am liebsten leistungslos per Quote in den siebten Aufsichtsrathimmel befördert werden wollen (Frauen also).

    Oder glaubt die Autorin des Artikels etwa ernsthaft, dass sich, zB. Straßenbauarbeiter über ihre Leistung definieren? Nein, sie machen ihren Job, um sich und/oder ggf. die Familie ernähren zu können.

    Aber es passt in den Diktus unserer Zeit, alles mögliche via Frauensich zu ‚definieren‘. Da werden Geheimnisse gelüftet, wie Männer zu sein haben, damit sie den werten Damen gefallen, es wird in Schubladen kategorisiert, welche Männertypen es gibt (angeblich 5) und schon gar nicht wird gefragt, was denn nun eigentlich die Kerle von der Weiblichkeit erwartet.

    Und Erstere haben gefälligst auch ihre Muskeln zu definieren (Fitness), ihre Karriere zu optimieren (Unterhalt) und anspruchslos zu sein (Egozentrik).

    Ich definiere mich zeitlebens über mich selbst, mit all meinen Stärken und Schwächen. Sonst wäre ich nur eine männliche Karrikatur der überschminkten und ihre Intelligenz vor sich herbaumeln lassenden Tussis (mal etwas überspitzt formuliert).

    Und ich schätze an Männern, dass sie geradliniger sind und sich sukzessive mehr und mehr gegen dieses übergestülpte Täter-Beschützer-Softie-FelsinderBrandung-Bild zur Wehr setzen.

    Zeit wurde es.

  9. #29 von toxicvanguard am 13. November 2014 - 21:13

    Ich vermeide es als Mann mich über meine Leistung zu definieren; ich finde diese Tendenz, die freiwilligen Selbstaufopferung als persönlichkeitsstiftendes Element darstellt mittlerweile auch bei anderen Männern eher eine verachtenswerte als eine positive Eigenschaft. Es ist nicht meine Aufgabe unter Selbstauflösung für andere zu sorgen. Das dürfen sie bitte gerne selber machen.

    Folgerichtig identifiziere ich mich über meine Vorlieben in meiner Freizeit und meine Weltsicht. Diese hat viel mehr mit mir als Person zu tun als eine Arbeit, die ich primär ausführe um mir Sachen kaufen zu können und meine Miete zu zahlen. Da ich das nicht wirklich anders kenne, stellt sich mir die Frage aber ehrlich gesagt auch kaum – dafür haben sich meine Hobbies früher zu stark von dem unterschieden was als „normal“ war (i.e. ich war Killerspielspieler als es noch nichts positives war… ;)) und bekam dadurch sicherlich zu einem Teil von aussen Persönlichkeitszuschreibungen, die sich aber relativ gut mit dem gedeckt haben, was ich sein wollte und wie ich mich auch selber gesehen habe.

    • #30 von LoMi am 14. November 2014 - 9:32

      „dafür haben sich meine Hobbies früher zu stark von dem unterschieden was als “normal” war (i.e. ich war Killerspielspieler als es noch nichts positives war… ;))“

      Das ist aber sehr perspektivenabhängig. Ich habe auch mit Wolfenstein in der ersten Fassung angefangen, vor gut zwanzig Jahren. Das war – in der Peer Group – vollkommen akzeptiert. Der Mainstream hat mich diesbezüglich nicht interessiert.

  10. #31 von mannfraukram am 6. Dezember 2014 - 17:28

    Wenn überhaupt versuche ich mich als Mann nicht über meine Leistung zu definieren, sondern über mein Können.

    Davor kommen aber ein paar andere Dinge:

    – Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen
    – Ehrlichkeit, nichts versprechen was ich nicht halten kann oder will
    – Andere so lassen zu können wie sie sind, weil ich mir selbst genug bin
    – Führung übernehmen, wenn es erwünscht ist
    – Nicht Jammern, tun

    Und obwohl ich ein Mann bin, darf ich auch mal Jammern, und ich darf auch mal anderen die Führung überlassen und das geniessen 🙂

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