Archiv für Mai 2015

Homoehe

Über das Konzept der sogenannten Homoehe habe ich schon des Öfteren nachgedacht. Und obwohl mir als Liberalem ziemlich egal ist, wer mit wem glücklich ist, habe ich dabei doch ein wenig Bauchschmerzen. Angestoßen durch den heutigen Comic von Erzählmirnix habe ich mich dazu noch einmal genauer befragt.

Ich hatte den Begriff und das Konzept „Ehe“ so gelernt, dass es die Zusammenkunft zum Zwecke einer „legitimen“ Familiengründung darstellt. Eine gescheiterte oder erfolglose Ehe war dann eine, die kinderlos blieb. In meinem Bekanntenkreis hatte ich einen solchen Fall, wo dann in den 60er Jahren eine Tochter adoptiert wurde, was aber eine gewisse Stigmatisierung mit sich brachte.
Da stellt sich natürlich schon die Frage, inwieweit das überhaupt für homosexuelle Paare eine sinnvolle Perspektive darstellt, da ein solches ja per definitionem keine gemeinsamen Kinder zeugen kann und daher – legt man das geschilderte Konzept zu Grunde – erfolglos bleiben muss.

Das ist jetzt eine sehr traditionelle Definition von Ehe, die heute sicherlich von vielen nicht mehr so angenommen würde. Daraus könnte man zweierlei folgern:

1. Das Konzept der Ehe als solches ist überholt, die Institution kann abgeschafft werden.
2. Das Konzept der Ehe als solches ist überholt, die Institution kann umgeformt und auch auf andere Lebensmodelle (sprich ohne oder ohne eigene/gemeinsame Kinder) ausgeweitet werden.

Obwohl nur noch konservative Leute (wovon es aber gerade im ländlichen Raum viele gibt) von einer „erfolglosen“ Ehe sprechen würden, wenn Kinder ausbleiben, stellt die Zeugung von Kindern doch für die meisten Paare noch so etwas wie das Ziel oder die Vervollkommnung der Ehe dar. Insofern würde ich gar nicht mal unbedingt sagen, dass das Konzept überholt ist; Es wird lediglich nicht mehr so dogmatisch vollzogen wie noch vor ein paar Jahrzehnten.
Daraus ließe sich noch eine dritte Möglichkeit folgern:

3. Das Konzept der Ehe als solches ist nicht überholt, wird aber um zusätzliche alternative Institutionen ergänzt, die auch für andere Lebensmodelle offen sind.

Eine Institution, die an ein Konzept zweckgebunden ist, auf andere Konzepte auszuweiten, ergibt logisch keinen Sinn. Mein Eindruck ist, dass die Zweckgebundenheit bei der Mehrheit der Bevölkerung noch zumindest implizit/unbewusst angenommen wird. Daraus erklärt sich der Widerstand gegen die meines Erachtens derzeit verfolgte vierte Variante:

4. Das Konzept der Ehe als solches ist nicht überholt, dennoch wird die Institution auf andere Lebensmodelle ausgeweitet.

Ich persönlich halte Variante 3 für die sinnvollste. Die Varianten 1 und 2 sind meines Erachtens ausgeschlossen, da das Konzept weder theoretisch noch praktisch überholt ist und deren Vorbedingung damit entfällt. Variante 4 ruft bei vielen – insbesondere konservativen – Menschen Widerstand hervor, der mir angesichts der mit der konzeptuellen Ausdehnung einhergehenden symbolischen Entwertung der Institution verständlich erscheint, wenn man bedenkt, dass die Institution Ehe für Konservative einen zentralen Wert hat.
Variante 3 hat den Vorteil, dass eine solche symbolische Entwertung nicht stattfindet und sich dennoch alternative Modelle entwerfen ließen, die dem rechtlichen Status der Ehe gleichgestellt sind. Das Problem liegt dann eher darin, dass homosexuelle Paare eventuell gerade deswegen heiraten wollen, weil sie auf den symbolischen Wert der Ehe wert legen, der ihnen dann verwehrt bliebe. Es soll ja schließlich auch konservative Homosexuelle geben. Da sie aber auch per definitionem vom (traditionellen) Konzept der Ehe ausgeschlossen sind, wäre das wohl die Wahrheit, der sie ins Gesicht sehen müssen. So oder so wäre eine homosexuelle Ehe immer eine andere als eine heterosexuelle. Also warum dem Kind nicht auch einen anderen Namen geben, wenn gewährleistet ist, dass das nicht mit rechtlicher Schlechterstellung einhergeht?

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