Heute nur ein kurzer, gefühlsgeleiteter Beitrag:

Ich habe einen guten Bekannten. Momentan ist unsere Beziehung nicht gut. Ich bin mir sicher, dass er psychische Probleme hat, eventuell sogar gepaart mit einer Suchtproblematik. Ich mache mir echt Sorgen um ihn. Jedenfalls googlete ich gerade nach „Männertherapie [Stadt]“. Einen passenden Therapeuten fand ich nicht. Was fand ich stattdessen, gleich auf der ersten Seite?

Eine Publikation der hessischen Landesregierung, genauer gesagt von der Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt. Titel: Wegweiser für die Beratung von Männern mit Gewaltproblemen. Es geht um den Dreiklang Männerberatung – Gewaltberatung – Täterberatung.

Da sucht man also nach Angeboten, die einem lieben Bekannten helfen könnten, und was findet man? Ein regierungsamtliches Schreiben, das Männer nicht als Wesen mit eigenen Sorgen, eigenen Problemen, eigenen Hilfsbedürftigkeiten ansieht, sondern auf die Ursache von Sorgen, Problemen und Gewalt reduziert. Hilfe gibt es nicht für den Mann, weil er Hilfe braucht, sondern weil er zum Problem für andere geworden ist. Solange er seine Probleme mit sich selbst ausmacht, solange er arbeitslos wird, trinkt, kifft, spielt, sich das Leben nimmt, interessiert er nicht. Er muss schon schlagen, damit er Hilfe bekommt. Dass man so Gewalt nicht bekämpft, sondern sie vielmehr fördert, scheint noch niemandem aufgefallen zu sein.

Ich bin echt enttäuscht von dieser Unmenschlichkeit.

  1. #1 von yvonne52 am 16. September 2016 - 19:01

    Als Frau und ehemalige Sozialarbeiterin/Therapeutin kann ich dazu folgendes sagen. Viele Männer leiden extrem (Depressionen etc.), agieren aber nach aussen ab (Gewalttätigkeiten), während Frauen in ähnlichen Situationen die Aggressionen nach innen richten, und schlucken, bis es dann eben auch nicht mehr geht. Dies sind anerzogene Verhaltensweisen, weil Aggression bei Männern toleriert (honoriert?) werden, bei Frauen jedoch nicht. Sie gilt dann als Emanze, Zicke und Drachen, oder eben hysterisch! Viele Frauen weinen aus unterdrückter Wut; und viele Männer werden gewalttätig aus unterdrücktem Schmerz. Ich gebe Dir recht, dass diesbezüglich auf beiden Seiten,
    (rollenkonformes Verhalten) noch grosser Handlungsbedarf und fehlende Einfühlung bestehen!

    • #2 von noneedforname23 am 2. März 2019 - 17:41

      darauf möchte ich als polytoxer, deppressiver, von selbstzweifeln schuld und selbsthass zerfressener , wahrscheinlich mit mehreren psychischen komorbiditätserkrankungen gesegneter antworten: Nein, das ist falsch. Eine nicht zulässige , sehr komplizierte ineinander verschachtelte sachverhalte stark vereinfachende unzulässige verallgemeinerung. meine destruktive energie schwankt zwar in ihrer intensität, aber sie richtet sich IMMER nach innen, ich habe noch nie und werde wohl auch nie einer anderen person gewalt nach dem „blitzableiterprinzip“ zufügen. (ich kann es mir noch nicht einmal vorstellen…)

      was sie und die angehörigen ihrer „zunft“ (tut mir leid das musste einfach sein…) aber möglicherweise einmal in betracht ziehen sollten ist, dass frauen , sobald sie eine nach icd-10 diagnostizierte störrung haben sowohl von ihrem persönlichen umfeld, aber auch von ärzten ganz anders behandelt werden als männer , die die selbe störrung diagnostiziert haben und nach dem prinzip (der ist ja eh am arsch) behandelt werden.

      ich besitze offfiziell zum beispiel keine diagnostizierte icd-10 störrung, da z.B. eine (egal wieviel jahre zurückliegende) suchtepisode dazu führt, dass man abgesehen von tumordurchbruchschmerzen und selbst da wäre ich mir nicht zu 100% sicher , mit ibuprofen behandelt wird.

      da der post jetzt schon sehr lang ist und ich nicht sicher bin, ob sie hier überhaupt noch mitlesen. der punkt auf den ich hinaus will ist der: männer von durchschnittlicher intelligenz, oder aber noch intelligenter , werden bemerken, dass es ihnen keinerlei vorteiule bringt ehrlich zum arzt zu sein. (antideppressiva die nicht helfen, die weigerung der ärzte eine adäquate schmerzbehandlung zu gewährleisten, oder aber das wissen, dass die welt sich durch „blabla“ nicht ändern wird, etc…)

      ich war das letzte mal vor jahren ehrlich zu einem arzt, und da ich nichts besonderes bin wird es von männern meiner art nen ganzen haufen geben. diese werden von ihrer diskriminierenden , vereinfachenden und völlig zu unrecht verallgemeinernden studie nicht erfasst, sie donnern unter dem radar ihrem ende entgegen. ich habe in meinem leben schon viel leid und viel menschliches elend gesehen. und was ich gelernt habe ist, dass jeder mensch INDIVIDUELL anders mit elend umgeht. und dass elend immer akut ist.

      jeder der das leugnet , oder versucht es , und sei es nur aus gründen der verständlichkeit in kategorien zu packen macht es sich verdammt einfach. und wahrscheinlich ging es ihm/ihr , obwohl ich „elend“ niemandem wünsche, noch nie wirklich schlecht, sonst würde er/sie nicht so selbstgerecht urteilen.

  2. #3 von ClaudiaBerlin am 25. Dezember 2016 - 15:27

    Der Suchstring „Psychosoziale Beratung für Männer“ ergibt etliche Fundsachen!

    Wenn regelmäßige Betreuung benötigt wird, solltest du „Lebenshilfe“ googeln – beispielhaft ein Angebot in Dresden:

    http://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/frauen-maenner/lebenshilfe.php

    Hilfe für Männer muss es aber auch andernorts bei der Lebenshilfe geben. In Berlin kenn ich immerhin eine männliche Person, die Lebenshilfe in Anspruch nimmt. Auch im betreuten Wohnen sind Männer, diese Träger kämen ebenfalls als Ansprechpartner in Betracht.

    Das Problem bei Männern ist oft, dass sie sich verkriechen und eben keine Hilfe suchen, niemandem von ihren Problemen erzählen und und und. Deshalb werden auch manche obdachlos, die nach einer Trennung in tiefe Depression verfallen und sich einfach um nix mehr kümmern, nicht mehr arbeiten können, keine Rechnungen und Mahnungen öffnen – und so ihre Räumung leider auch nicht verhindern!

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