Gendergerechte Sprache – Die nachdenkliche Position

Die FAZ veröffentlichte heute einen eher so mittelmäßig starken Artikel über Lann Hornscheidt und das sog. feministische Sprachhandeln, bzw. die Anfeindungen, denen die Person im Internet ausgesetzt ist.

Auf die Anfeindungen aus dem Netz gehe ich mal nicht ein, denn das halte ich für eine Konstante, die sich durch die Netzgesellschaft erklären lässt, nicht durch das Thema, um das es geht. Nicht, dass ich das gut finde, aber ich halte es für wohlfeil, ausgerechnet dann, wenn es um Gender geht, darauf hinzuweisen. Ich warte immer noch auf das YouTube-Video, in dessen Kommentarstrang sich keine Diskussion über Hitler, die USA und Israel entwickelt. Insofern ist es natürlich unterhaltsam, die Diskussion nachzuzeichnen, bringt aber keinerlei Erkenntnisfortschritt.

Stattdessen möchte ich nur mal meine Meinung zum sog. feministischen Sprachhandeln loswerden, denn auch, wenn das Thema ja schon seit geraumer Zeit durch’s Netz wabert, habe ich die darin noch nicht wiedergefunden. Und was ein richtiger geschlechterpolitischer Blog sein will, muss dazu ja auch irgendwann mal Position beziehen.

„Der Grund dafür, erfährt man, wenn man ein bisschen googelt, ist, dass Hornscheidt sich weder als Mann noch als Frau fühlt, es dafür aber im Deutschen keine Form gibt, weswegen dieser Artikel echt nicht leicht zu schreiben ist.“

Das ist natürlich ein nachvollziehbares Problem, und ich frage mich: Warum so komische Sprachregeln erfinden, wenn die Lösung doch so naheliegend ist? Anstatt, dass man jetzt unzählbar viele Geni einführt, kann man doch einfach eins für alle nehmen.
Das ist übrigens eine ganz und gar unkreative, weil über lange Zeit erprobte Lösung:
Bis weit in die 1970er Jahre ging man davon aus, dass Professor, Lehrer, Bürgermeister etc. geschlechtsunabhängige Berufe seien. So bestand die erste Landrätin Niedersachsens, Hertha Peters, die zufällig in meinem Heimatlandkreis wirkte, auf die Anrede „Frau Landrat“.
Das ergibt auch durchaus Sinn, denn: Landrat ist wie Professor eine Funktion. Eine Funktion hat aber kein Geschlecht. Es ist vollkommen wurscht, ob das nun eine Frau ist, ein Mann, Katholik, Protestant, Sozialist, Nazi: Es ist eine Funktion, die quasi unendlich viele mögliche Ausformungen annehmen kann. Bevor man also für jede denkbare Ausformung eigene Sprachregeln aufstellt und damit die Sprache unendlich kompliziert macht, fasst man halt alles unter einer zusammen. Das war so pragmatisch.

Bis dann irgendwann jemand im Schulunterricht nicht mehr aufgepasst und Funktion und Geschlecht verwechselt hat und folgerichtig meinte, durch diese Bezeichnung würden Frauen unsichtbar gemacht. Nun, das ist richtig, wenn man davon ausgeht, dass eine Bezeichnung, unter der sich bis dato vor allem Männer versammelt hatten, nur Männer bezeichne. Nach derselben Logik müsste man aber auch schließen, sie würde Kleinwüchsige, Buddhisten, Kinder und Kanalarbeiter unsichtbar machen. Das generische Maskulinum und das biologische Maskulinum waren aber nie dasselbe, das sind zwei vollkommen unabhängig voneinander existierende Phänomene. Und das wäre auch immer noch so, wenn man mal in der Schule aufgepasst hätte.

Und jetzt wird die Lösung des Problems selbst zum Problem. Die Revolution frisst ihre Kinder.

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Woher die Scheuklappen?

Die Diskussion mit LoMi auf dem Blog Geschlechterallerlei hat mich auf einen interessanten Punkt gebracht:

Warum wird eigentlich die Unterdrückung bzw. Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft im politischen Diskurs weitgehend unhinterfragt angenommen und warum wehren sich auch Männer nicht dagegen, wenn diese Annahme zu einer Politik führt, die ihren persönlichen Interessen zuwiderläuft? Es scheint da eine Art „höherer Moral“ zu geben, die dem Eintreten für Fraueninteressen zugrundeliegt. Auf diese Annahme bezieht sich mein Beitrag, den ich hier in fast voller Länge zitiere.

»Zunächst könnte man ja annehmen: Das scheint so, weil es so ist. Das müsste natürlich genauer begründet werden, denn nichts ist einfach aus sich heraus moralisch, so wie nichts aus sich heraus a-moralisch ist.

Moralität scheint mir zunächst etwas sozial konstruiertes zu sein. Es gab Zeiten, in denen es als a-moralisch galt, einem Sklaven die Freiheit zu schenken. Heute gilt Sklaverei als solche als a-moralisch.

Wie also lässt sich begründen, dass das Eintreten für Fraueninteressen von vornherein moralisch sei? Nun, wir stimmen wohl darin überein, dass es nach westlich-liberalen Vorstellungen moralisch ist, für jemanden einzutreten, der unterdrückt wird und deshalb nicht selbst für seine Rechte eintreten kann. Historische Beispiele wären der Kampf gegen die Sklaverei in den USA oder das heimliche Verstecken von Juden im NS.

Selbst radikale Feministinnen würden aber wohl kaum behaupten, dass die Unterdrückung der Frauen, die sie annehmen, so weit geht. Figuren wie Alice Schwarzer, Bascha Mika oder Luise Pusch belegen, dass Frauen selbst für ihre Interessen eintreten können. Sie werden damit zwar in einer bestimmten Richtung verortet, aber das an sich ist nichts ungewöhnliches; Auch, wenn ich mich beispielsweise für die Erhaltung spätgotischer Kirchengebäude einsetze, werde ich in einer bestimmten Richtung verortet, ohne dass dies ein Beleg für die Unterdrückung spätgotischer Kirchengebäude wäre. Entscheidend ist, dass sie dies seit vielen Jahrzehnten tun, ohne staatlichen oder sonstigen Repressionen ausgesetzt zu sein. Dass es Anfeindungen aus Teilen der Zivilgeselschaft gibt, ist in einer pluralistischen Gesellschaft kein Beleg für Unterdrückung; Ich verweise wieder auf das hypothetische Engagement für spätgotische Kirchengebäude, mit dem ich andere Religionsangehörige, Atheisten oder Interessenten an dem Baugrund gegen mich aufbringen könnte. Man kann in einer pluralistischen Gesellschaft nicht erwarten, jeden auf seine Seite zu bringen, das wäre gleichsam ihr Ende.

Wie also wird die Unterdrückung dann begründet? Nun, wir kennen die statistischen Argumente vom Gender-Pay-Gap, von den Zahlenverhältnissen in Unternehmensvorständen usw. und kennen auch die Gegenposition zu diesen Zahlen. Wir wissen auch, dass die Zahlen zwar eine Ungleichverteilung, aber noch keine Ungerechtigkeit erklären und schon gar keine Unterdrückung. Und ich für meinen Teil traue den meisten Politikern und Medienschaffenden auch durchaus zu, dazwischen zu unterscheiden.

Es gibt verschiedene Belege, die darüber hinaus eine Ungerechtigkeit nahelegen, aber auch solche, die als Gegenbeleg herangezogen werden könnten; ein eindeutiges Bild ergibt sich nicht. Eindeutigkeit kann man darin nur sehen, wenn man sie sehen möchte und anderes systematisch ausblendet. Genau das scheint zu passieren.

Es stellt sich dann die Frage: Warum passiert das? Und damit sind wir wieder am Anfang. Die Moralität aus sich heraus konnte nicht gefunden werden, denn was sollte moralisch daran sein, jemanden permanent zu bevorzugen, der definitiv kein klares Opfer von Unterdrückung ist und dessen Benachteiligung unklar ist? Freilich könnte man Schritte unternehmen, Ungleichheiten zu beseitigen, aber darüber geht die aktuell wirksame Politik ja zunehmend hinaus, während der institutionalisierte Widerstand dagegen (also das, was früher bspw. konservative Parteien getan haben) immer stärker nachlässt.

Ich sehe hier keine Moralität am Werk, nichts, was vermeintlich außerhalb des Menschen liegen würde, sondern eher Sozialpsychologie. Zum einen gibt es wohl keine Generation zuvor, die so sehr in dem Bewusstsein der historischen Stellung und Benachteiligung von Frauen aufgewachsen ist, als diejenige, die derzeit an den gesellschaftlichen Schlüsselpositionen sitzt; dieses Bewusstsein schlägt sich nieder, und auch wenn die Realität inzwischen eine andere ist, wirkt das Bewusstsein nach wie vor so, dass es bestehende Benachteiligungen abbauen will und Benachteiligungen von Männern nicht sieht. Deswegen ist es gut, dass jede Generation einmal abtritt, denn jede Generation wächst in einem anderen Bewusstsein auf. Damit, dass die soziale Welt sich permanent beschleunigt, kann das Bewusstsein aber immer weniger mit der Realität schritthalten, was ein spezifisches Problem der Postmoderne ist.

Zum anderen scheint mir hier ein Fall von ‚benevolent sexism‘ vorzuliegen, der vom real existierenden Feminismus selbst reproduziert wird, weil er auch an diesen appelliert. Das ist der Grund, warum so viele Männer dabei scheinbar bereitwillig mitmachen. Der Mann lernt von kleinauf, für Frauen da zu sein. Sei es nun das klassische Gentleman-Verhalten, also der Frau die Tür aufzuhalten, ihre Jacke zu nehmen etc., seien es die Errungenschaften der sexuellen Revolution, beim Sex auf die Frau einzugehen (und dabei ganz selbstverständlich davon auszugehen, dass der Mann sowieso auf seine Kosten kommt), sei es das Verteidigen der Ehre der eigenen Mutter (das verschieden aussehen kann; das Wort Hurensohn galt früher und auch heute noch gerade im islamischen Bereich als eine der denkbar schlimmsten Beleidigungen, weil es eben die Ehre der Mutter beschmutzt; oder in der Form der alleinerziehenden Mutter, die den Sohn damit zur Waffe gegen den Vater macht) oder sei es die ganz klassische Erwartung an den Mann, Karriere machen zu müssen, um damit einmal Frau und Kinder ernähren zu können.

An diese Muster des benevolent sexism knüpfen Quoten- und Schutzraum-Diskurse nahtlos an. Sie machen sich den durch weibliche Bezugspersonen geprägten Sexismus der Männer zu Nutze, um diese vor den eigenen Karren zu spannen.

Dieser benevolent sexism ist es, keine überlegene Moral, der eine Versachlichung der Debatte unmöglich macht.«

Der Grund für dieses ausführliche Selbstzitat ist, hier eine gesonderte Debatte über diesen Einzelaspekt zu ermöglichen.

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Worüber definieren sich Männer?

Die FAZ veröffentlichte heute einen Artikel mit dem Titel „Der gestresste Mann„, in dem es um fehlende Aufmerksamkeit für Männer und ihre Probleme, insbesondere in der Arbeitswelt geht. Soweit nicht viel neues und zum größten Teil geht er auch an den eigentlich interessanten Fragen vorbei. Männer empfinden Leistungsdruck anders als Frauen und haben kein Gespür für die eigene Überforderung. Nichts neues.

Einen Aspekt finde ich allerdings höchst spannend:
„Vor allem Männer selbst weichen dem Problem aber aus, solange sie können, hängen noch oft an einem Rollenbild, geprägt von Stärke, Unermüdlichkeit, Erfolg und Versorgerfähigkeit.“

Das wirft doch eine ganz wichtige Frage auf: Worüber definieren wir uns, nicht als Männer generell, sondern als Individuen, und gibt es da Gemeinsamkeiten zwischen Männern? Wir brauchen eine Debatte darüber, worüber wir uns tatsächlich definieren und worüber wir uns definieren wollen.

Mein Eindruck ist: Die Aussage im Artikel geht in die richtige Richtung. Männer definieren sich mehrheitlich als Instrumente: Instrumente, die unermüdlich und stark sein müssen um als Versorger zu funktionieren. Das ist keine Definition, die uns selbst dient, sondern eine, die anderen dienen will.

Das funktioniert vielleicht solange, wie unsere Instrumentatlität wertgeschätzt wird. Das wird sie aber heute immer weniger. Wir brauchen eine andere Selbstdefinition. Mein Eindruck ist, dass diese Tatsache von immer mehr Männern erkannt wird, und dass ihr die allermeisten Männer aber mit Angst begegnen und sie eigentlich gar nicht wahrhaben wollen. Sie laufen davor davon, was wiederum zu psychischer Belastung führt. Darin können wir aber auch eine große Chance sehen!

Ich selbst sehe es für mich auch: Ich definiere mich stark über meinen Erfolg an der Universität. Eine präzise Wortwahl, eine gute Arbeit, gute Noten, in der Diskussion zu glänzen, das ist es, was mir ein Gefühl der Stärke und der Bedeutsamkeit verleiht. Gleichsam empfinde ich ein Gefühl von Wertlosigkeit, wenn ich anerkennen muss, dass ich keinen ausgefeilten Plan für meine berufliche Zukunft habe. Dahinter steht das Dispositiv, mit meiner Leistung für andere sorgen können zu müssen und die Angst, das eben nicht zu können.

Worüber können wir uns alternativ – oder auch ergänzend – definieren? Welche Selbstdefinition kann für Männer – gerade heute – erfüllender sein? Darüber brauchen wir eine Debatte!

Worüber definiert ihr euch, und was für Ideen habt ihr zu dieser Frage? Das würde mich wirklich interessieren!

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Beethoven hören unterdrückt Frauen!

Mal wieder ein Beispiel aus der Kategorie: Was sich so für dumme Argumente unter dem #Feminismus sammeln.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Beethovens Symphonien bin. Ich hätte es nie gedacht, aber Bezug nehmend auf die Initiative „WAM!“ (Women, Action & the Media) unterdrücke ich damit Frauen, denn:

„Less than 1 in 100 of classical pieces performed in concert in 2009-2010 were written by a female composer (and 1 in 15 was written by Beethoven!). Women make up 2% of the standard repertoire of pieces.“

Nach deren Logik sieht das also so aus: Beethoven wird nicht deswegen gehört, weil seine Musik herausragend ist, sondern weil er ein Mann ist. Sie nehmen einfach an, dass es demgegenüber auch einen „weiblichen Beethoven“ geben würde, den man stattdessen hören könnte. Wenn man das mal ausspricht, merkt man, was das für ein Quatsch ist. Beethovens Musik ist einzigartig, es gibt keinen einzigen Menschen, ob Mann oder Frau, der das gleiche hätte schreiben können.
Das im Hinterkopf, wäre die Forderung also: Ganz egal wie schön, herausragend, was auch immer die Musik ist: Wir müssen mehr weibliche Komponisten hören. Abgesehen davon, dass das Geschlecht des Komponisten ein total bescheuertes Kriterium ist, scheint ihnen nicht klar zu sein, dass es vor 200 Jahren praktisch keine weiblichen Komponisten gab – was man natürlich beklagen, aber nicht per Dekret ändern kann. Oder soll das bedeuten, wir dürfen jetzt gar keine klassische Musik mehr hören, weil es keine weiblichen klassischen Komponisten gibt?

Oder um es nochmal anders zu sagen: Wenn das Geschlecht das Kriterium ist, nach dem wir auswählen, welche Musik exzellent ist und deshalb gehört wird, stellt sich ja die Frage: Warum bewundere ich Beethoven und höre seine Musik, während ich Bachs Kantaten sterbenslangweilig finde und ergo nicht höre? Beide waren doch Männer! Das Argument konsequent durchdekliniert, höre ich also die Musik eines Mannes, weil er ein Mann war, während ich die Musik eines Mannes nicht höre, weil er ein Mann war.

Das ganze nennt man (und frau) einen naturalistischen Fehlschluss.

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Street Harrassment

Gestern machte ich mir mal einen Spaß und postete einen neuen Status auf Facebook:
„Mir wurde heute von einer wildfremden Person ein „Schönen guten Tag“ gewünscht und ich habe es überlebt. Nach Definition von Hollaback bin ich jetzt „survivor“ eines „sexual harrassment“.“
Das ist jetzt der am häufigsten gelikete Status in meiner Timeline…

Aber Spaß beiseite. In meinem Freundeskreis wurde natürlich recht ausgiebig über dieses Video diskutiert. Natürlich wunderten sich Leute, dass das Video zehn Stunden abbilden soll, dabei aber nur zwei Minuten dauert. Und dass man das eigentlich mal im ganzen auswerten müsste und nach Kategorien von Ansprachen bzw. Anmachen unterteilen müsste. Ja, müsste man. Wenn Sorgfalt und Redlichkeit wichtige Werte wären.

Meine weiblichen Freunde hatten am allerwenigsten Verständnis dafür. „Sehr selten“ bis „nie“ würden sie auf der Straße angequatscht werden. Und wenn, dann sind es meistens Leute, die mal nen Euro haben wollen, Leute, die einem irgendein Abo oder eine Mitgliedschaft aufquatschen wollen oder Leute, die eine Wahl gewinnen wollen. Solche Ansprachen sind geschlechtsneutral. Sexual Harrassment ist was anderes.

Der New Zealand Herald hat das ganze jetzt auch mal ausprobiert und ein Video mit einem Model und einer versteckten Rucksackkamera in Auckland, Downtown gedreht. Aber seht selbst:

Tja, was sagt uns das? Ich war selbst vor zwei Jahren in Neuseeland unterwegs, auch in genau den Straßen. Ich wurde da ungefähr genauso oft angequatscht wie die Dame. Von Leuten, die nen Dollar haben wollten, die mir was verkaufen wollten, die mich zu ihren religiösen Zusammenkünften einladen wollten, die den Weg wissen wollten, die wissen wollten, ob ich französisch spreche oder die einfach nur jemanden zum reden wollten. Neuseeland ist allgemein sehr gesprächig.

Jedenfalls schaute ich mir dann das Hollaback-Video nochmal an und stellte fest: Die allermeisten Typen sitzen auf Klappstühlen auf dem Bürgersteig. Wer macht denn sowas? Ich nehme an, das sind genau die gleichen gescheiterten Existenzen, wie sie auch unsere Innenstädte belagern und wahllos jede/n anpöbeln, der in Hörweite an ihnen vorbeigeht. Und da die USA sich ja dazu entschlossen haben, God’s own country zu sein, gibt es dort noch viel mehr solcher armen Schweine als hier.
Das ist in der Tat ein Skandal. Hat aber nichts mit sexueller Belästigung zu tun. Ich nenne das: Victim Blaming.

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Feminismuskritik = Hass?

In letzter Zeit häufen sich ja die Artikel in ein- bzw. zweischlägigen Zeitungen, die einmal den Fokus auf die Kritiker feministischer Positionen richten. Ich bin sicher, ihr habt das mitbekommen, ansonsten findet ihr hier bei man tau eine gute Übersicht.

Ich frage mich: Wie kommen die Autoren dieser Artikel zu ihren Ansichten?

Nun bin ich definitiv kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo einen geheimen Rat gibt, bestehend aus den Spitzen von Journalismus, Feminismus, Politik und Wirtschaft, in dem beschlossen wird, was als richtige Meinung zu gelten hat. Ich glaube, die Wahrheit ist viel banaler.

Ja, es gibt teilweise wirklich berechtigte Kritik an dem, wie sich einige online über den Feminismus auslassen. Manchmal muss ich wirkklich sagen: Leute, wenn ihr so schreibt, dann braucht ihr euch auch nicht zu wundern, wenn ihr als Trolle, Hater, Ewiggestrige oder Nazis dargestellt werdet. Manche Kommentare laden wirklich dazu ein, auch wenn ich glaube, dass sich dahinter oftmals ganz vernünftige Leute verbergen, denen angesichts dieses Overloads hin und wieder mal der Kragen platzt.

Das Problem, was ich aber habe, ist, dass in besagten Artikeln nicht differenziert wird. Ja, es gibt sie, die Hater. Aber es gibt genauso auch konstruktive, inhaltlich fundierte und sachlich vorgetragene Kritik, mit der man sich unbedingt ernsthaft auseinandersetzen sollte. Doch in besagten Artikeln wird das alles in einen Topf gehauen, einmal kräftig verrührt und dann das Label „Hater“ draufgepappt. Wieso machen die sich das so einfach?

Ich glaube, das ist wirklich der Schlüssel: Sie machen es sich einfach. Es ist keine Verschwörung, die sind bloß denkfaul. Wir alle haben irgendwann, recht früh wahrscheinlich, gelernt, dass Frauen früher keinen guten Stand in der Gesellschaft hatten. Dass sie dann aufgestanden sind und ihre Gleichberechtigung eingefordert haben. Und dass sie sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte emanzipiert haben. Und das ist doch eine gute Sache. Ich setze mal voraus, dass wir alle die Idee absolut richtig finden, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sein sollen, niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt werden soll und jeder die Freiheit haben soll, sich gemäß seiner Neigungen zu entwickeln. Ich jedenfalls unterstütze diesen Gedanken leidenschaftlich.

Doch irgendwann hat irgendein Ereignis, ein Erlebnis, eine Erfahrung, vielleicht ein Gespräch in meinem Kopf etwas ausgelöst. Da war dieser vage Verdacht, dass da irgendetwas nicht stimmt. Könnte es sein, dass das, was wir den Feminismus nennen, diese eigentlich doch edle Bewegung, die für die Gleichberechtigung aller Menschen eintritt, tatsächlich doch irgendwie ein bisschen komplizierter ist? Könnte es sein, dass da noch mehr ist?

Als diese Frage in meinem Kopf aufgewacht war, betrachtete ich die Auseinandersetzungen um Geschlecht zunehmend mit anderen Augen. Und mir wurde klar: So einfach ist es nicht. Der Feminismus sagt, er will alte Geschlechterklischees überwinden. Tatsächlich macht er sie sich aber zunutze, wo es ihm in den Kram passt. Aktuellstes Beispiel: Die UN-Kampagne HeForShe. Es wird an das uralte Klischee vom edlen Ritter in schillernder Rüstung appelliert, der der armen, hilflosen Maid zu Hilfe eilt, um sie aus den Fängen des Drachen (in diesem Falle also: des Patriarchats) zu befreien. Ja, was ist das denn?

Der Feminismus sagt, er will gleiche Rechte für beide Geschlechter. Doch das Recht auf die körperliche Unversehrtheit der Geschlechtsorgane steht nur den weiblichen Kindern zu. Natürlich gibt es auch Feministinnen, die das falsch finden, das will ich nicht unterschlagen. Aber es kann niemand behaupten, es würde sich von dieser Seite aus im gleichen Maße um die männliche Beschneidung gekümmert, wie um die weibliche. Einige finden das sogar ganz gut. Einige gehen sogar so weit, die männliche Beschneidung als ein Privileg der Männer zu betrachten und fordern dann, dass Frauen doch dieses Recht bitteschön auch haben sollten. Absurd. Das passiert, wenn man jeden Unterschied zwischen den Geschlechtern versucht, mit dem Patriarchat zu erklären.

Der Feminismus sagt, an Frauen würden höhere Maßstäbe angesetzt werden, was ihr Aussehen betrifft. Das stimmt. Und doch ist es nur die halbe Wahrheit, denn so wie eine hässliche Frau es bei Männern schwer hat, so schwer hat es umgekehrt ein Mann, der unentschlossen ist, der handwerklich unbegabt ist, der keine Ahnung von Technik hat, der kleiner oder körperlich schwächer als die Frau ist. Natürlich gibt es Ansprüche, denen Frauen ausgesetzt sind. Aber wenn es heißt, man trete für Gleichberechtigung ein, dann muss man sich die andere Seite natürlich auch anschauen. Es gäbe noch tausende Beispiele mehr dafür, wie der tatsächliche Feminismus von der weit verbreiteten Idee abweicht. Ich bin sicher, euch fallen auch noch viele ein.

Meine Vermutung ist nun, dass die Autoren der eingangs erwähnten Artikel diesen Schritt nicht gemacht haben. Sie haben nie ein Erweckungserlebnis gehabt. Die haben sich nie intensiv mit dem Thema und den Widersprüchen auseinandergesetzt und denken immer noch: „Mensch, Frauenrechte sind gut und wichtig!“ Ja, sind sie ja auch. Und dann denken sie: „Wer das kritisiert, der kann nur ein Revisionist sein, ein Frauenhasser, der keine gleichen Rechte will!“ Und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn was wir kritisieren – zumindest kann ich das für mich sagen – ist ja überhaupt nicht die Idee der Gleichberechtigung, im Gegenteil! Was ich kritisiere ist vielmehr, dass diese Idee mittlerweile ad absurdum geführt wird. Was, so glaube ich, in vielen Fällen auch gar nicht mit Boshaftigkeit zu tun hat, sondern mit Denkfaulheit. Es werden Prinzipien aufgestellt, aber die eigenen Klischees werden überhaupt nicht hinterfragt.

Das führt natürlich zur Frage: Was können wir tun? Können wir überhaupt was tun?

Ich glaube, derbe Kommentare, Beschimpfungen, Drohungen usw. sind das allerschlimmste, was wir machen können. Wir müssen mit den Leuten genauso fair umgehen, wie wir wollen, dass sie mit uns umgehen. Außerdem müssen wir ganz klein anfangen. Man kann da nichts voraussetzen. Man muss ganz einfach über persönliche Erlebnisse sprechen. Was war bei mir der Auslöser, dass ich gemerkt habe: Hier stimmt was nicht? Und als ich das gemerkt hatte: Wodurch hat sich dieses Bild verfestigt? Darüber müssen wir sprechen, ganz persönlich, ganz unaufgeregt. Nur dann haben wir die Chance, dass uns irgendwer ernst nimmt.

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Hitlers Helferinnen

Die Rolle der Frauen im NS – ein Beitrag des Deutschlandfunk.

Das soll nicht heißen, dass Frauen irgendwie böse oder schuldig wären. Sie sind genau so böse oder schuldig wie die Männer eben auch. Individuell, jede und jeder für sich. Dieser Beitrag dient nur dazu, an dem Mythos zu rütteln, dass Frauen zu so etwas nicht fähig wären, ja an allem Übel immer nur Männer schuldig wären.

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